
Geburtsvorbereitung
Was macht wirklich Sinn
Die Geburtsvorbereitung ist nahezu so individuell wie die Geburt selber. Ob die werdenden Eltern Kurse besuchen, sich durch Fachliteratur wühlen, ihr Umfeld nach Geburtserfahrungen interviewen oder sich gar nicht informieren: Es ist noch kein Kind dringeblieben.
Der Klassiker: Der Geburtsvorbereitungskurs
Viele Krankenhäuser mit Entbindungsstation bieten ihn an, manche Hebammenpraxen oder auch Geburtshäuser. Erkundigen kann man sich bei den Krankenkassen oder Gynäkologen. Es gibt Crashkurse am Wochenende oder an einem festen Abendtermin über mehrere Wochen, für Paare oder auch Einzelpersonen.
Zu knapp vor dem Geburtstermin sollte es nicht sein, sonst macht das Baby womöglich einen Strich durch die Rechnung. Um den 7. Schwangerschaftsmonat ist es empfehlenswert, den Kurs zu beginnen. Für die werdende Mutter übernimmt meist die Krankenkasse die Kosten, wenn der Kurs nicht länger als 14 Stunden insgesamt dauert und von einer Hebamme geleitet wird. Der werdende Vater muss oft selber bezahlen.
Im Volksmund als „Hechelkurs“ verschrien, wird jedoch viel mehr vermittelt als reine Atemtechniken: Detailliert geht man die einzelnen Phasen der Geburt durch, spricht über Möglichkeiten der Schmerzminderung und Entspannung, über Geburtspositionen, etwaige Komplikationen, den Aufenthalt auf der Wochenstation, Babypflege, Ängste, Wünsche.
Gerade für Erstgebärende ist der Austausch mit Gleichgesinnten oft hilfreich, und auch Väter, die sich unter der Geburt vielleicht hilflos und passiv fühlen, finden leichter in ihre Rolle als Kraftspender und Teilhaber. Je besser Mutter und Vater informiert sind, desto ungefährlicher erscheint ihnen das „Abenteuer Geburt“ und man kann sich leichter darauf einlassen.
Sportlich: Die Schwangerschaftsgymnastik
Einerseits werden verschiedenste Beschwerden gemildert, die während der Schwangerschaft auftreten, andererseits werden Übungen gemacht, die konkret die Geburt beeinflussen können. Besonders sanfte Kräftigungsübungen helfen, um die Belastungen der Geburt besser durchzustehen und aktiver mitarbeiten zu können. Besprechen Sie mit Ihrer Frauenärztin/Ihrem Frauenarzt, ob aus medizinischer Sicht etwas gegen Gymnastik spricht.
Sanft: Die Akupunktur
Studien zeigen, dass Akupunktur bei Erstgebärenden die Geburtsdauer im Schnitt von zehn auf acht Stunden verkürzt. Der Gebärmutterhals (Cervix) reift schneller, und es gibt eine gezieltere Wehentätigkeit in der Eröffnungsphase, also in der Zeit bis zur vollständigen Öffnung des Muttermundes.
Die Akupunktur kann ausschließlich diese Geburtsphase verkürzen, auf die Austreibungsphase hat sie dagegen keinen Einfluss. Außerdem soll die werdende Mutter die Geburtswehen als weniger schmerzhaft empfinden.
Die geburtsverkürzende Wirkung der Akupunktur greift erst, wenn der Körper der Frau ohnehin zur Geburt bereit ist. Die Behandlung hat also keinen Einfluss auf den Geburtstermin und führt auch nicht zu vorzeitigen Wehen.
Intim: Die Dammmassage
Der Bereich zwischen Scheide und Anus, der sogenannte Damm, ist unter der Geburt einer enormen Belastung ausgesetzt. Er wird durch den kindlichen Kopf stark gedehnt und sollte daher so elastisch wie möglich sein. Ein Dammriss oder Dammschnitt kann zwar nicht unbedingt verhindert werden, aber u.U. gemildert werden. Ab der 34. Schwangerschaftswoche kann mit der Dammmassage begonnen werden. Eine bebilderte Anleitung finden Sie beispielsweise auf der Internetseite von Weleda.
Ungeliebt: Die Bürokratie
Wenn Sie vor der Geburt Zeit zur bürokratischen Vorbereitung haben, erledigen Sie alles, was geht. Drucken Sie die Anträge für Elterngeld und Kindergeld bereits aus und tragen Sie Ihre Angaben so weit wie möglich ein. Auch die passenden Briefumschläge können bereits adressiert und frankiert werden.
Machen Sie eine Telefonliste von Leuten, die über die Geburt Ihres Kindes informiert werden sollen oder müssen, so wie die Krankenkasse etc. Das Familienstammbuch - soweit vorhanden - kann getrost in den Klinikkoffer gepackt werden.
Und auch bei der besten Geburtsvorbereitung wird vielleicht das Eine oder Andere schief gehen oder anders verlaufen als geplant. Hadern Sie nicht, sondern freuen Sie sich auf ein lebenslanges, liebevolles Miteinander mit Ihrem Kind.
Autorin: Ariela Cataloluk

